Einen günstigeren oder passenderen Zeitpunkt für die Feiern zum 35-jährigen Jubiläum der deutsch-vietnamesischen Beziehungen hätte es kaum geben können: Eine ganze Reihe von teilweise weit zurückreichenden Strängen in diesen Beziehungen intensivieren und verdichten sich derzeit in einer Weise, die den deutsch-vietnamesischen Beziehungen insgesamt eine völlig neue Qualität verleiht und die im Jahre 2010 gleichermaßen zu Rückblick wie zu Ausblicken auf neue Ufer einlädt: Der weit in die 60iger und 70iger Jahre zurückreichende akademische Austausch mit der ehem. DDR, der so viele Vietnamesen geprägt hat, lebt unter den Bedingungen eines für junge VietnamesInnen attraktiv erscheinenden Studienstandorts Deutschland wieder auf. Eine gerade eröffnete Vietnamesisch-Deutsche Universität in der Wirtschaftsmetropole Saigon/HCMC soll auch Nachwuchs für die dynamische Wirtschaft des Landes ausbilden. Tausende von jungen VietnamesInnen lernen Deutsch am Goethe-Institut und dank einer neuen Initiative der Bundesregierung zunehmend jetzt auch an ausgewählten Sekundarschulen des Landes. Die aus der Vertragsarbeiterphase der DDR in Deutschland verbliebene vietnamesische Minderheit wird in deutschen Städten nicht nur sichtbar in Lebensmittelläden und vietnamesischen Restaurants. Ihr Geldtransfer und teilweise ihr know how helfen mit, eine ungeheuer dynamische vietnamesische Wirtschaft mit anzutreiben, deren Handelsvolumen mit Deutschland von Jahr zu Jahr in beiden Richtungen wächst. Anschluss sucht das Land aber auch im Bereich der Kultur und internationalen Kunst. Obwohl der staatlich geförderte Kulturbetrieb wie vor allem eine sich rapide entwickelnde freie Kunst- und Medienszene verfolgen aufmerksam und interessiert die Entwicklungen in Deutschland. Deutschland hat auch als ein historisch nicht belasteter Partner in dieser Situation des dramatischen Umbruchs und der Neuorientierung in Vietnam einiges an wichtigen und attraktiven Anknüpfungspunkten zu bieten. Im Deutschlandjahr 2010 sind Wirtschaft und Wissenschaft, Kultur und Bildung die weiten Felder, auf denen sich der Austausch insbesondere abspielt, Stadtentwicklung und Umwelt werden die übergreifenden Schwerpunktthemen sein. Neben großen festlichen kulturellen Veranstaltungen, beginnend mit einer deutsch-vietnamesischen Aufführung von Beethovens 9. Symphonie, wird sich ein weiter Fächer von musikalischen Darbietungen von der Klassik bis Elektronik, landesweiten Filmfestivals, innovativem Musiktheater, Installationskunst und Fotografie, Gegenwartstanz und Videokunst entfalten. Deutsche Wissenschaftler und Experten der Entwicklungszusammenarbeit befassen sich mit praktischen Fragen, die von der Abwasserbeseitigung und dem Naturschutz bis zur Umwelt- und Energiepolitik und der nachhaltigen Stadtentwicklung reichen und stellen ihre Projekte vor. Bildungspolitische Bestandsaufnahmen, Anreicherung der Kontakte zu aus Deutschland zurückgekehrten Fachkräften, Buchmessen und Schriftstellerreisen vervollständigen den weitgespannten Bogen. Dazu gehören auch Ausstellungen über die vietnamesischen VertragsarbeiterInnen und Projekte des Kulturerhalts sowie Jugendaustausch und ein Schachturnier. Ziel der umfänglichen Ereignisfolge, an der sich neben dem Auftraggeber Auswärtiges Amt auch Sponsoren aus der Wirtschaft beteiligen: Eine Reihe von wichtigen Entscheidungsträgern in Vietnam soll eine konkretere Idee davon vermittelt bekommen, was in den nächsten Jahren im deutsch-vietnamesischen Verhältnis zum beiderseitigen Nutzen in Angriff genommen werden könnte und zehntausende vor allem junger Menschen in Vietnam sollen am Ende des Jahres 2010 eine frischere, eine attraktivere und eine lebendigere Vorstellung von Deutschland mitnehmen . |
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